Sonntag, 26.02.2017

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Zivilgesellschaftliche Alternativen angesichts neoliberaler Globalisierung
 


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Der neoliberale Globalisierungsprozess wird von seinen Verfechtern als alternativlos dargestellt. Margret Thatcher hat die Formel "there is no alternative" geprägt, bekannt als TINA-Phänomen. Viele Menschen scheinen sich mit der Idee angefreundet zu haben, dass es für die Menschheit keinen anderen Ausweg gibt, als sich anzupassen, sich anzugleichen, sich ins Modell einzufügen. In diesem Kontext, in dem das herrschende Modell wie ein Naturgesetzt verkauft wird, ist es nicht populär, von Alternativen zu sprechen. Ein Beweis dafür ist die immer wiederkehrende Frage bei vielen Veranstaltungen: "Das ist ja gut zu kritisieren. Aber welche Alternativen haben Sie? Gibt es ein anderes Gesellschaftsmodell?" … "Der Kommunismus ist gescheitert."

Es reicht nicht, der Ratlosigkeit das Argument entgegenzusetzen, dass auch der Kapitalismus nicht funktioniert. Auch im jetzigen Kontext, in dem Finanz-, Energie- und Nahrungsmittelkrisen sowie die Umwelt- und Klimakatastrophe die Grenzen des Kapitalismus deutlich vor  Augen führen und der Ruf nach einer Zivilisierung des Marktes immer lauter wird, hilft die Polarisierung genauso wenig wie die Ergebenheit in die herrschenden Verhältnisse. Die Kritik an der Kritik kann und muss als Aufforderung verstanden werden, die Arbeit an konkreten Alternativen zu verstärken.

Wenn wir hier von Alternativen sprechen, so meinen wir kein von Experten erarbeitetes Wissen im Sinne von technischen oder technokratischen Lösungen, die von Durchführungsinstanzen dank formalisierter und standardisierter Verfahren umgesetzt werden sollen. Gemeint sind Lebensentwürfe, in denen Menschen sich Handlungsräume verschaffen, sich organisieren und ihr Leben so gestalten, wie es ihren Interessen und Visionen entspricht. Solche Lebensentwürfe werden nicht von oben herab bestimmt, sondern gemäß den eigenen Bedürfnissen und Einsichten entwickelt.

So gesehen besteht die größte Herausforderung der Arbeit an Alternativen darin, Weltverständnisse und Lebensentwürfe wahrzunehmen, zu identifizieren und zu dokumentieren. Wo gibt es denn Ansätze, die Unterstützung verdienen und neuer Impulse bedürfen? Wo gibt es Gruppen, die im Kleinen Veränderungen bewirken, Impulse setzen und gesellschaftliche Prozesse in neue und innovative Richtungen lenken? Solche gesellschaftlichen Prozesse gilt es wahrzunehmen, Strategien ihrer Konsolidierung zu entwerfen und aus ihnen Lehren für andere Kontexte zu ziehen. Es ist hier von Lehren die Rede, weil wir der Meinung sind, dass Gesellschaftsmodelle nicht übertragbar sind, aber dass in jedem von ihnen Erfahrungen stecken, die für andere Kontexte von Relevanz sein können.

Wahrnehmungspflicht, Urteilskraft und dezidiertes Handeln sind drei Seiten ein und derselben Denkbewegung und sie sind in ihrer Kombination geeignet, wenn es darum geht, in einer durch ein imperialistisches Denken geprägten Welt nach Alternativen zu suchen. Im Entdecken, im Sehen von kleinen Initiativen und Lebensstilen, im Zuhören, in der Wahrnehmung von Gedanken, die im vorherrschenden Modell kaum die Chance haben, sich zu entfalten, geschweige denn sich durchzusetzen, in deren Unterstützung und Verteidigung artikuliert sich der Entwurf von Alternativen angesichts kapitalistischer Zerstörung.

Konsultationsprozess

Um die Suche nach Alternativen von unten voranzubringen, hat KASA ein Arbeitspapier entworfen und einen Konsultationsprozess in Gang gesetzt. Partnerorganisationen und einzelne Personen werden aufgefordert, zur Grundidee und zum methodischen Vorgehen Stellung zu beziehen sowie über konkrete Ansätze zu berichten. Bei Interesse an diesem  Projekt können Sie Kontakt mit den KASA-KoordinatorInnen aufnehmen.

Boniface Mabanza (November 2009)
 




 

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