Samstag, 25.03.2017

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Projektinformation


Öl ist ein Schlüsselelement im Krieg zwischen der sudanesischen Zentralregierung und den Rebellenbewegungen im Süden des Landes. Die Periode relativen Friedens nach dem ersten sudanesischen Bürgerkrieg (1956-72) hielt nur bis 1983: Vier Jahre nach dem ersten Ölfund im Sudan und ein Jahr nach der Entdeckung erheblicher Vorkommen in der Nähe von Heglig flammte der Bürgerkrieg erneut auf. Und der Beginn der Förderung im großen Stil im Sommer 1999 – nach der Fertigstellung der Pipeline, die die Ölfelder im Süden mit den Raffinerien und dem Exporthafen Port Sudan am Roten Meer verbindet – heizte den Krieg weiter an: Zehntausende Bewohner wurden seither von der Regierungsarmee und verbündeten Milizen aus den Ölgebieten vertrieben, Dörfer bombardiert und geplündert, Zivilisten misshandelt und ermordet, dringend nötige Hilfslieferungen blockiert.

"Keine Beteiligung ausländischer Firmen an der Ölförderung im Sudan, solange kein gerechter und tragfähiger Frieden ausgehandelt wurde", ist deshalb die zentrale Forderung der European Coalition on Oil in Sudan (ECOS) und des ihr angeschlossenen Deutschen Netzwerkes "Öl im Sudan". Dem Netzwerk gehören Brot für die Welt, der Deutsche Caritasverband, der Evangelische Entwicklungsdienst, die Gesellschaft für bedrohte Völker, das Bischöfliche Hilfswerk Misereor, Missio Aachen und Missio München, das Sudan Forum, der Verein Südsudanesischer Studenten in Deutschland, World Vision Deutschland und die Werkstatt Ökonomie an. Die Werkstatt Ökonomie koordiniert das Bündnis seit November 2001 zusammen mit dem Geschäftsführenden Ausschuss des Netzwerks.

Auch deutsche Firmen spielten beim Aufbau der sudanesischen Ölindustrie eine nicht unmaßgebliche Rolle: So lieferte Mannesmann seinerzeit Röhren zum Bau der schon genannten 1.600 km langen Pipeline und Siemens stattete die GNPOC, ein Konsortium aus Talisman Energy (Kanada) und je einer chinesischen, malaysischen und sudanesischen Firma, mit modernster Telekommunikationstechnologie aus. Da aber nach unserer Kenntnis von deutscher Seite aktuell kein nennenswertes Engagement mehr besteht, konzentriert sich das Netzwerk vor allem auf politische Lobbyarbeit:

Mit dem 11. September 2001 hat sich der Druck auf die Konfliktparteien verstärkt, ernsthafte Friedensverhandlungen aufzunehmen: Die sudanesische Regierung möchte von der schwarzen Liste der Unterstützer des internationalen Terrorismus gestrichen und wieder in die internationale Gemeinschaft aufgenommen werden, die Oppositionsbewegungen im Süden sehen ihre Möglichkeiten, mit militärischen Mitteln zum Erfolg zu kommen, schwinden, nachdem die USA ihre einseitige Unterstützung eingestellt und sich als Vermittler zwischen den Parteien in Spiel gebracht haben.

Worauf es aus der Perspektive des Netzwerkes und seiner Partnerinnen und Partner ankommt, ist, dass der intensivierte Friedensprozess nachhaltig, also auf Dauer tragfähig ist: Zum einen müssen alle Beteiligten ihre Interessen einbringen können, auch die südsudanesische Zivilbevölkerung. Ihr Anspruch auf Selbstbestimmung, den die Konfliktparteien schon 1994 in der "Declaration of Principles" anerkannt haben, muss ernst genommen werden. Und es braucht eine Vereinbarung über die gerechte Teilung der Ressourcen des Landes. Der Süden hat ein Anrecht auf angemessene Teilhabe am natürlichen Reichtum des Landes – auch und vor allem an den Einnahmen aus der Ölförderung. Politische und wirtschaftliche Partizipation sind die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden. Dies gilt es gegenüber der Politik auf nationaler und europäischer Ebene deutlich zu machen. Auf die Schnelle durchgesetzte "Lösungen" oder – noch schlimmer – der bedingungslose Übergang zu "business as usual" dürften auch denen, die immer vernehmlicher "Normalität" in den Beziehungen zum Sudan einfordern, nur kurzfristig Vorteile bringen.

Mitglieder des Deutschen Netzwerks "Öl im Sudan": Bischöfliches Hilfswerk Misereor,  Brot für die Welt, Dt. Caritasverband, Evang. Entwicklungsdienst, Gesellschaft für bedrohte Völker, Missio Aachen, Missio München, SOSSA – Verein der Südsudanesischen Studenten in Deutschland, Sudan Forum e.V., Werkstatt Ökonomie, World Vision Deutschland. Das deutsche Netzwerk ist Mitglied der European Coalition on Oil in Sudan (ECOS) .

Uwe Kleinert, Juni 2002







       

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