Donnerstag, 23.03.2017

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Häufige Fragen



Wo kommt das Spielzeug her, das wir kaufen?
Man schätzt, dass weltweit etwa 75 bis 80 Prozent des Spielzeugs in China hergestellt werden. In Deutschland ist der Anteil ein wenig geringer: Hier stammen etwas mehr als 20 Prozent aus inländischer Produktion und von den Spielzeugeinfuhren kommen knapp 70 Prozent aus China. (Angaben für 2010)

Wie erkenne ich, dass Spielzeug unter guten Bedingungen produziert wurde?
Eine entsprechende Produktkennzeichnung gibt es (noch) nicht. Man kann sich als Verbraucherin oder Verbraucher nur erkundigen, ob sich der Hersteller erkennbar für vernünftige Arbeitsbedingungen einsetzt – etwa indem er auf die Beachtung des ICTI-Kodexes bei seinen Lieferanten achtet. Einen Überblick gibt die jährlich aktualisierte Firmenliste von fair spielt.

Was verlangt der Verhaltenskodex des Weltverbandes der Spielzeugindustrie (ICTI)?
Der ICTI-Kodex verlangt unter anderem die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeiten, Löhne und Überstundenvergütungen, er verbietet Kinder-, Zwangs- und Gefangenenarbeit und schreibt die Zahlung der gesetzlichen Leistungen bei Krankheit und Schwangerschaft vor. Außerdem muss es eine Arbeitnehmervertretung entsprechend den örtlichen Gesetzen geben, der Arbeits- und Gesundheitsschutz muss gewährleistet sein und es muss angemessene Hygieneeinrichtungen und sichere Schlafräume geben. Schließlich muss der Kodex der Belegschaft in der örtlichen Sprache bekannt gemacht werden.

Wie wird der ICTI-Kodex kontrolliert?
Auf Antrag kann sich eine Spielzeugfabrik von der ICTI CARE Foundation bescheinigen lassen, dass sie den ICTI-Kodex einhält. Voraussetzung dafür ist, dass der Betrieb von einer der sieben dafür zugelassenen Firmen (so genannten Auditfirmen) kontrolliert wird. Den Auftrag dafür gibt die ICTI CARE Foundation, und die Inspektion findet unangekündigt statt. Die Auditfirma erstellt einen Bericht, in dem gegebenenfalls die Verstöße gegen den ICTI-Kodex aufgelistet werden. Die Missstände müssen nach einem festen Zeitplan behoben werden. Das wird mit einer zweiten (und eventuell dritten) Fabrikkontrolle überprüft. Danach empfiehlt die Auditfirma der ICTI CARE Foundation, dem Betrieb ein Zertifikat auszustellen. Dieses ist zunächst ein Jahr lang gültig. Das gesamte Programm zur Kontrolle und Zertifizierung der Fabriken heißt ICTI CARE-Prozess.

Wie gehen die Spielzeughersteller und der Handel mit ihrer Verantwortung für menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei ihren  Lieferanten um? 
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Firmen, die von sich aus die Möglichkeiten genutzt haben, die der ICTI CARE-Prozess bietet, ohne dass öffentlicher Druck auf sie ausgeübt worden wäre. Einige dieser Markenfirmen, vor allem die größeren, hatten schon eigene Verhaltenskodizes, bevor sie sich dem ICTI CARE-Prozess anschlossen. Andere Firmen haben die Probleme zunächst geleugnet, dann kleingeredet und ihre Mitverantwortung bestritten. Wenn sich solche Firmen letztlich dem ICTI CARE-Prozess anschließen, dann vor allem, weil sie befürchteten, dass andernfalls ihr Image Schaden nimmt. Und mehr als die Hälfte der deutschen Spielzeugfirmen, von denen wir wissen, dass sie in China produzieren (lassen), beteiligen sich bis heute nicht am ICTI CARE-Prozess.

Können mit einem Verhaltenskodex menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden?
Ein Verhaltenskodex ist weder eine Alternative zur wirksamen Durchsetzung der nationalen Gesetze durch die Behörden noch zu Tarifverträgen zwischen demokratisch legitimierten Arbeitnehmervertretungen und Arbeitgebern. Ein Verhaltenskodex kann aber unter bestimmten Voraussetzungen dazu beitragen, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern. Dafür muss er die wichtigsten Problemfelder ansprechen. Dazu gehören unter anderem das Verbot von Zwangsarbeit, die Vereinigungsfreiheit der Arbeitnehmer, die Nichtdiskriminierung am Arbeitsplatz und das Verbot von Kinderarbeit. Die Einhaltung des Kodexes muss unabhängig kontrolliert werden, und die Arbeiterinnen und Arbeiter sollten daran beteiligt sein. Am wirkungsvollsten dürften Verhaltenskodizes sein, wenn sie im Rahmen einer so genannten Multistakeholder-Initiative erarbeitet und kontrolliert werden. In solchen Initiativen sind alle relevanten Akteure – also nicht nur die Industrie, sondern zum Beispiel auch Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen – gleichberechtigt vertreten.

Unterstützt die chinesische Regierung die Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter?
Die chinesischen Gesetze gewähren den Arbeiterinnen und Arbeitern weitgehende Rechte. Nur: Die Einhaltung dieser Rechte wird nicht wirksam überwacht und durchgesetzt. Vielfach drücken die lokalen Behörden ein Auge zu, weil sie im Wettbewerb mit anderen Regionen möglichst unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen bieten wollen. Vielfach gibt es auch eine enge Verflechtung zwischen den lokalen Parteikadern und Unternehmern. 
Andererseits hat die chinesische Regierung erkannt, dass ein gewisser sozialer Ausgleich (gerade auch angesichts der vielschichtigen Benachteiligung der schätzungsweise 150 Millionen WanderarbeiterInnen) Voraussetzung ist für die Stabilität der chinesischen Gesellschaft. Neben dem Umweltschutz steht deshalb die so genannte "harmonische Gesellschaft" zurzeit ganz oben auf der Agenda der chinesischen Politik.
In diesen Zusammenhang sind auch das Arbeitsvertragsgesetz und das Arbeitskonfliktgesetz aus dem Jahr 2008 von Bedeutung: Danach muss jeder Arbeiter einen Arbeitsvertrag bekommen (erst der gibt ihm z.B. die Chance, gegenüber seinem Arbeitgeber Forderungen zu stellen, etwa bei Arbeitsunfällen), und die Möglichkeiten, sein Recht vor Gericht zu erstreiten, wurden wesentlich verbessert.
 
Halten sich die Fabriken in China an die staatlichen Gesetze und an die Auflagen ihrer ausländischen Auftraggeberinnen und Auftraggeber?
Nach Einschätzung vieler Beobachter ist davon auszugehen, dass sowohl die Gesetze als auch die Vorgaben der Abnehmer verbreitet nicht eingehalten werden. Das gilt insbesondere, wenn die Lieferanten (was sehr verbreitet ist) das Gefühl haben, dass ihnen quasi von außen Bedingungen auferlegt werden, die sie - so die Wahrnehmung - nur Geld kosten. Wirksame Kontrollmaßnahmen sind deshalb nötig, aber auch Managementschulungen, damit die Verantwortlichen lernen, dass Verbesserungen im Arbeitsumfeld und moderne Managementmethoden nicht nur Kosten verursachen, sondern auch Nutzen bringen (z.B. bessere Produktqualität, weniger Ausschuss, besseres Arbeitsklima ...). Außerdem ist es nötig, dass den Lieferanten Anreize geboten werden, etwa durch eine langfristige Lieferbeziehung, bei der es nicht nur um den günstigsten Preis geht. Investitionen in menschenwürdige Arbeitsbedingungen sollten sich auch für den Lieferanten auszahlen.
Die Lieferanten stehen oftmals unter erheblichem Kostendruck und massivem Zeitdruck (die sie nach Möglichkeit nach unten an ihre ArbeiterInnen weitergeben). Wer als Abnehmer von seinen Lieferanten bessere Arbeitsbedingungen verlangt, muss auch zu Zugeständnissen beim Preis und bei den Lieferfristen bereit sein.

Was kann ich als Verbraucherin oder Verbraucher konkret tun?
Generell sollten Verbraucherinnen und Verbraucher Billigprodukte meiden, möglichst auf gute Qualität achten und dafür lieber weniger Spielzeug kaufen. Sie können sich darüber informieren, wo das Spielzeug herkommt, das sie kaufen möchten, und ob der Spielzeughersteller sich dafür einsetzt, dass bei seinen Lieferanten menschenwürdige Arbeitsbedingungen herrschen. Das sollten sie bei ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen. Außerdem können sie gegenüber dem Verkaufspersonal deutlich machen, dass sie nur Spielzeug kaufen wollen, bei dessen Herstellung nicht gegen grundlegende Arbeitsstandards verstoßen wurde. Und sie können die Spielzeughersteller und den Handel direkt anfragen, was sie konkret unternehmen, um bei ihren Lieferanten menschenwürdige Arbeitsbedingungen sicherzustellen.

Gibt es Spielzeug aus Fairem Handel?
Neben fairem Kaffee, Tee oder Schokolade gibt es im Weltladen auch Spielzeug, das nach den strengen Grundsätzen des Fairen Handels hergestellt wird und über Kooperationspartner wie gepa, El Puente, dw-shop oder Eine-Welt-Team-Versand vermarktet wird. Außerdem gibt es Sportbälle aus Fairem Handel, die das Fairtrade-Label tragen. Der Faire Handel legt sehr viel Wert auf ein partnerschaftliches Miteinander aller Beteiligten und geht weit über den ICTI-Kodex hinaus, der "nur" die Einhaltung international vereinbarter Mindeststandards und der nationalen Gesetze verlangt.

Steigen die Preise für Spielzeug, wenn die ArbeiterInnen höhere Löhne erhalten?
Damit ist nicht zu rechnen. Die Preise richten sich viel eher danach, was am Markt durchsetzbar ist, als nach den Kosten. Außerdem machen die Lohnkosten für die Herstellung in asiatischen Spielzeugfabriken nur zwischen 1 und etwa 10 Prozent des hiesigen Verkaufspreises aus.





       

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