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09.05.2016
BASF: vielbeschworene soziale Verantwortung entlang der Lieferkette gerät zur Farce
 


Der Platinlieferant LONMIN ist laut südafrikanischer Untersuchungskommission mitverantwortlich für das Massaker von Marikana. Dennoch weist BASF jegliche Zuständigkeit gegenüber den Opfern des Massakers zurück.

Eine Delegation aus Südafrika konfrontierte die BASF bei der Hauptversammlung am 29. April 2016 erneut mit den weiterhin skandalösen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Marikana und der erwiesenen Mitverantwortung ihres Platinlieferanten LONMIN  am Massaker von Marikana. BASF ist der Hauptabnehmer des Platins von LONMIN.
 
Bischof Jo Seoka, Vertreter der MinenarbeiterInnen von Marikana, Südafrika, der bereits auf der Aktionärsversammlung 2015 die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele von BASF bezüglich der Lieferkettenverantwortung in Frage gestellt hatte – sowie Ntombizolile Mosebetsane und Agnes Makopano Thelejane, zwei Witwen der in Marikana getöteten Minenarbeiter, adressierten zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und der Kirchlichen Arbeitsstelle südliches Afrika (KASA) erneut den Vorstand von BASF.

Auszug der Rede von Ntombizolile Mosebetsane und Agnes Makopano Thelejane:
„Wir sind hier um Ihnen von den Familien zu berichten, deren Angehörige beim Massaker von Marikana getötet wurden. Wir werden Ihnen vom Versagen ihres Platin-Langzeit-Lieferanten aus Südafrika, Lonmin, berichten; Um es deutlich zu sagen: Unsere Situation hat sich seit dem Massaker kontinuierlich verschlechtert. In Ihrem kürzlich veröffentlichten Statement (zum Audit, den BASF bei LONMIN im Dezember 2015 durchführen ließ) sagen Sie aber, dass Sie „ weder kritische Feststellungen bei der Unternehmensführung, bei Menschenrechten oder Arbeitsbedingungen von Lonmin gemacht, noch irgendwelche anderen Verstöße festgestellt haben.“

Und weiter Bischof Johannes Seoka:
„Wie können Sie sich auf der Grundlage von Hochglanzberichten und Absichtserklärungen ein Bild von der Situation vor Ort in Südafrika machen, wenn doch bereits erwiesen ist, dass die Berichte von LONMIN mit den tatsächlichen Bedingungen nicht übereinstimmen?! Der Leiter der CSR-Abteilung von BASF hat uns mehrfach davon berichtet, dass BASF LONMIN dabei unterstützt habe, die Werksfeuerwehr zu optimieren. Das kann nicht ernsthaft das einzige Ergebnis einer Begutachtung von LONMIN sein, die behauptet, die Richtlinien des UN Global Compact Abkommens zu berücksichtigen.“

Obwohl die VertreterInnen der südafrikanischen Delegation darlegten, dass LONMIN lediglich kosmetische Verbesserungsmaßnahmen vorgenommen habe und dass es keinerlei Fortschritte im Bezug auf Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen der ermordeten Minenarbeiter gäbe, beruft sich BASF einzig und allein auf ein intransparentes und unveröffentlichtes Audit vom Dezember 2015. Laut BASF sei dort festgestellt worden, dass LONMIN „alle Probleme gelöst“ hätte und lediglich kleine Verbesserungen bezüglich Werkssicherheit und Umweltschutz erforderlich seien.

Die BASF sei darüber hinaus der falsche Adressat für die Forderungen der südafrikanischen Delegation, daher wurde jegliche Zuständigkeit für die Belange der Hinterbliebenen abgewiesen.

Kurt Bock machte deutlich:
„Wir verstehen Ihren Wunsch, aber ich kann Sie da auch nur um Verständnis bitten. Sie können die Probleme, die sie in Südafrika haben, zwar nach Deutschland tragen und wir setzen uns damit auch sehr, sehr intensiv auseinander. Das spüren Sie, glaube ich, auch, aber wir können nicht alle Probleme, die Sie in Südafrika haben, hier vor Ort lösen. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir ein guter Partner sind für Lonmin, in dem wir sicherstellen, dass Lonmin unseren Ansprüchen künftig auch weiterhin gerecht werden kann.“
Und weiter:
„Wir können nicht den Lieferanten des Lieferanten des Lieferanten überprüfen.“

BASF war und ist demnach sehr zufrieden mit seinem langjährigen Lieferanten LONMIN, zu dem sehr wohl eine direkte Geschäftsbeziehung besteht, die über eine Briefkastenfirma von BASF in der schweizerischen Steueroase Zug abgewickelt wird.

Im Anschluss an ihre Hauptversammlungsreden überreichten die südafrikanischen Delegationsmitglieder, Simone Knapp (KASA) und Markus Dufner vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre eine Petition mit mehr als 11.000 Unterschriften an den BASF-Vorstand. In der Petition „BASF: Lieferkettenverantwortung JETZT!“ wird gefordert, BASF möge 8 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn 2015 in einen Sonderfonds zur Entschädigung der Opfer des Marikana-Massakers von Marikana einzahlen.

Viele KleinaktionärInnen zeigen sich erschüttert, dass der BASF-Vorstand die Forderungen der südafrikanischen Delegation zurückwies, und gratulierten dem Bischof, den Witwen und ihren UnterstützerInnen für ihren „couragierten Auftritt“ bei der Hauptversammlung.




 

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