Am 16. August 2025 jährt sich das Massaker von Marikana zum dreizehnten Mal. 34 Bergleute wurden an diesem Tag getötet, mindestens 78 verletzt und etwa 250 festgenommen. Das Massaker von Marikana war der tödlichste Einsatz von Gewalt durch südafrikanische Sicherheitskräfte gegen Zivilisten seit dem Aufstand in Soweto am 16. Juni 1976.
Die Bergleute streikten für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in einer der gefährlichsten und ausbeuterischsten Industrien des Landes. Das Management der Platinmine Lonmin (jetzt Sibanye-Stillwater) und die Regierung beschlossen, den am 10. August begonnenen Streik „mit allen nötigen Mitteln“ zu beenden. Das Massaker war die Folge.
Die verstorbenen Bergleute versorgten über 300 Angehörige, deren Leben durch das Massaker zerstört worden ist: die Familien verloren ihren Ernährer, die Witwen zum Teil ihre Häuser und Zugang zu Land, die Familien wurden auseinandergerissen und die fehlende Anerkennung als Opfer traumatisiert bis heute, jedes Jahr von neuem. Die südafrikanische Regierung hat bis heute ihre Verantwortung nicht wahrgenommen, keine adäquate Wiedergutmachung geleistet und das Massaker nicht angemessen anerkennt.
„Das Massaker hat meine Familie zerstört, zerrissen, zerfetzt. Es hat eine Wunde quer durch die Generationen gerissen, eine Wunde, die wir Kinder weitertragen müssen,“ sagt Ndikho Jokanisi Bomela, der mit neuen Jahren seinen Vater verlor, letztes Jahr auf der Hauptversammlung von BASF in Mannheim.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft hat der Staat etwa 71 Millionen Rand als Entschädigung für den Verlust der Unterhaltszahlungen an 34 der Familien gezahlt. Von den 315 Antragstellern haben jedoch etwa 129 Personen nichts erhalten. Im Laufe der Jahre wurde die Aufarbeitung des Massakers von Marikana auf eine rein finanzielle Angelegenheit reduziert. Da keine Einigung über die noch offenen zivilrechtlichen Ansprüche der Familie erzielt werden konnte, wird die Angelegenheit laut der Menschenrechtsorganisation SERI vor dem Gauteng High Court in Pretoria verhandelt werden.
Die Verweigerung der Rechenschaftspflicht ist auch ein durchgängiges Thema in dem Strafverfahren gegen den Staat. Am 16. August umzingelten etwa 400 eingesetzte Polizeibeamte die Bergleute auf dem Koppie mit einem Stacheldrahtzaun. Die Bergleute wollten am Morgen wie angekündigt friedlich den Hügel verlassen, doch die Polizei schoss mit automatischen Gewehren in die Menge. Trotz der Bemühungen der Polizei zu manipulieren, wissen wir heute, dass die Polizei Bergleute verfolgte und tötete, von denen viele ihre Hände erhoben hatten oder sich sichtbar ergaben. Nur neun Beamte wurden strafrechtlich verfolgt, alle haben sich für nicht schuldig erklärt, vier wurden freigesprochen. Sechs Beamte stehen derzeit wegen der Verbrechen im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 13. August 2012 vor Gericht, bei denen drei Bergleute und zwei Polizeibeamte getötet wurden. Niemand wurde wegen der Ereignisse vom 16. August angeklagt.
Doch auch der weltweit größte Chemiekonzern BASF ist darin verwickelt, war er doch 2012 der größte Abnehmer des Platins von Marikana und sich der Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort wohl bewusst. Auch er hat keinerlei Maßnahmen ergriffen, die für das Wohl der Hinterbliebenen sorgen würden.
Nach wie vor setzten der südafrikanische Staat und die multinationalen Unternehmen Gewinne über Menschenleben: Die Bedürfnisse der Minengesellschaft und ihrer Aktionär:innen stehen über den Belangen, dem Schmerz der Hinterbliebenen. Das zeigt auch der stetige Angriff auf das deutsche und europäische Lieferkettengesetzt, das im Fall von BASF und Marikana durchaus wirksam hätte sein können. Mit Argumenten wie Bürokratiemonster soll etwas diskreditiert werden, was zumindest ansatzweise menschenrechtliche Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette hätte sein können.
Der Jahrestag des Massakers von Marikana zeigt uns von erneut, dass der Kampf noch nicht vorbei ist.

