Starke Standards schützen Menschen, Demokratie und Lebensgrundlagen

Zahlreiche Organisationen, Unternehmen, Verbände, Institute und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor dem schleichenden Abbau von Schutzrechten in Europa. Das Statement „Starke Standards schützen Menschen, Demokratie und Lebensgrundlagen“ ruft politische Entscheidungsträger*innen in Berlin und Brüssel dazu auf, im Rahmen der derzeit laufenden EU-Omnibus-Verfahren den Schutz von Verbrauchern, Umwelt und Menschenrechten nicht aus den Augen zu verlieren. Zu den Unterzeichnenden gehören der neben der Werkstatt Ökonomie auch der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Deutsche Naturschutzring, Brot für die Welt, AlgorithmWatch, Fairtrade Deutschland, VAUDE Sport, Lobbycontrol und Finanzwende.

Statement:

Die Europäische Union gilt für Menschen weltweit als ein Ort der Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Lebensqualität. Als größter gemeinsamer Binnen- und Verbrauchermarkt der Welt prägt die EU internationale Standards und hat die Pflicht, sich für sichere Produkte, gesunde Lebensmittel, faire Lieferketten und den Schutz der Menschenrechte einzusetzen. Gerade in Zeiten globaler Krisen sollte Europa dieser Verantwortung gerecht werden, unsere Lebensgrundlagen zu schützen, demokratische Kontrolle zu sichern und langfristige öffentliche Interessen über kurzfristige private Profite zu stellen – in Europa und entlang globaler Lieferketten.

In den vergangenen Jahren wurden zwar einige notwendige Schritte in diese Richtung unternommen, aber Politik im Sinne des Allgemeinwohls steht derzeit unter enormem Druck. Vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher und geopolitischer Krisen beobachten wir, dass politische Entscheidungen zunehmend einseitig auf Interessen von einzelnen Großkonzernen und Industrielobbies ausgerichtet werden. Unter dem Deckmantel von Vereinfachung und Bürokratieabbau werden demokratische Errungenschaften zum Schutz von Verbraucher:innen, Beschäftigten, Umwelt- und Menschenrechten zu Hindernissen erklärt, aufgeweicht und zum Teil auch über Bord geworfen.

Das ist das Ergebnis intensiver Lobbykampagnen großer  Wirtschafts- und Industrieverbände. Sie genießen mehr denn je privilegierte Zugänge zur Politik. Gleichzeitig werden zivilgesellschaftliche sowie zukunftsorientierte Stimmen aus der Wirtschaft an den Rand gedrängt und geschwächt.

Diese pauschale Abschaffung von Kontrollmechanismen zugunsten von Konzerninteressen wird jedoch die Lebensbedingungen vieler Menschen weltweit nachhaltig verschlechtern. Wo Schutzstandards und Kontrollen abgebaut werden, verschlechtert sich unter anderem die Qualität der Lebensmittel, des Wassers und der Luft, die wir atmen, wächst die Abhängigkeit von mächtigen Konzernen und steigt die Gefahr einer erneuten Finanzkrise. Profiteure einer pauschalen Deregulierung sind Großunternehmen, wie zum Beispiel US-Techgiganten oder einige wenige Vermögensverwalter mit ungeheuer großem Einfluss. Eine Politik, die Regeln durch das Recht des Stärkeren ersetzt, schwächt Europa und treibt den Kontinent in riskante wirtschaftliche Abhängigkeiten. Sie untergräbt Vertrauen in demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Verfahren – und stärkt extremistische Kräfte. Starke Standards schützen Menschen, Demokratie und Lebensgrundlagen

Wir fordern die Bundesregierung daher auf, sich für eine europäische Politik einzusetzen,
die auf folgenden Grundsätzen beruht:

Demokratie stärken: Politische Entscheidungen müssen die Perspektiven von Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft und kleinen Unternehmen systematisch und gleichberechtigt einbeziehen – nicht nur die Interessen mächtiger Konzerne. Dafür braucht es transparente Verfahren und echte Beteiligungsmöglichkeiten, die über formale Anhörungen hinausgehen.

Wissenschaft und Transparenz sichern: Gesetzgebung muss sich konsequent auf unabhängige Forschung, belastbare Folgenabschätzungen und nachvollziehbare Entscheidungsprozesse stützen. Nur wenn politische Entscheidungen auf wissenschaftlichen Fakten beruhen und Einflüsse auf diese transparent und überprüfbar sind, kann dauerhaft Vertrauen entstehen.

Klare und wirksame Regeln schaffen: Standards zum Schutz unserer Grundrechte, Gesundheit, Umwelt, Klima, Arbeitsbedingungen und Daten müssen wirksam um- und durchgesetzt werden. Vereinfachung kann sinnvoll sein, aber nur, wenn sie Regeln klarer und wirksamer macht und ihren Vollzug stärkt, nicht, wenn sie unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung ihren Schutzgehalt reduziert.                                 

Öffentliche Gelder an Bedingungen knüpfen: Steuermittel dürfen keine Blankoschecks für umweltschädliche oder sozial unverantwortliche Geschäftsmodelle sein. Öffentliche Förderung muss konsequent an ökologische, klimawirksame, soziale und langfristige wirtschaftliche Kriterien gebunden werden. Die Lebensgrundlagen und die Interessen zukünftiger Generationen müssen geschützt werden – nur so können Geschäftsmodelle in Zukunft profitabel bleiben.

In das Gemeinwohl investieren: Statt kurzfristige Konzerninteressen zu bedienen, braucht es gezielte Investitionen in öffentliche Güter. Dazu gehören zukunftsfähige Mobilität, gute Bildung für alle, eine sichere Versorgung mit Medikamenten, gesunde und regionale Lebensmittel, ein stabiles Finanzsystem, eine digitale Infrastruktur, die unabhängig und widerstandsfähig ist, ein stabiles globales Klima und eine intakte Natur.

Und schließlich gilt: Wer Schäden verursacht, muss dafür Verantwortung tragen. Externalisierte Kosten – ob ökologisch oder sozial – dürfen nicht länger von der Allgemeinheit getragen werden.

Wenn jetzt einige Unternehmensverbände den Abbau von Schutzstandards mit möglichen Einsparungen aufrechnen, bleiben die langfristigen gesellschaftlichen Folgekosten unberücksichtigt und unbeziffert. Das führt in die falsche Richtung.

Wirksame und verständliche Regeln sind keine Belastung für unseren Wohlstand. Sie machen faires und nachhaltiges Wirtschaften überhaupt erst möglich, denn sie schaffen Vertrauen, schützen Grundrechte, Gesundheit und Umwelt, sichern fairen Wettbewerb und geben Unternehmen wie Verbraucherinnen und Verbrauchern Verlässlichkeit.

Europa ist für viele Menschen ein lebenswerter Ort, weil Rechtsstaatlichkeit, soziale Sicherung und demokratische Institutionen trotz aller Defizite stärker verankert sind als in vielen anderen Teilen der Welt. All dies sind Errungenschaften, die auch einen wirtschaftlichen Standortvorteil für Europa darstellen. Doch dieses Modell ist kein Selbstläufer. Es muss politisch verteidigt und erneuert werden. Wer das Vertrauen in Demokratie zurückgewinnen will, muss zeigen, dass politische Entscheidungen dem Gemeinwohl verpflichtet bleiben.

Zum Statement mit allen Unterzeichnenden: 260702_Statement_starke_Standards.pdf

Über das Statement
Das Statement „Starke Standards schützen Menschen, Demokratie und Lebensgrundlagen“ wurde von Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Verbraucherschutz, Menschenrechte, Demokratie, Wirtschaft und digitale Grundrechte initiiert. Es richtet sich an die Bundesregierung, die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie die europäischen Institutionen.

Kontakt
Fidélité Niwenshuti, LobbyControl E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Jill Berger, GSCC E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Netzwerk Rohstoffgerechtigkeit Baden-Württemberg

Im Netzwerk Rohstoffgerechtigkeit Baden-Württemberg setzen wir uns gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren für eine Rohstoffwende im Land ein. Wir fördern Austausch, Fortbildung und gemeinsame Aktionen, um mehr Gerechtigkeit im Umgang mit Ressourcen zu erreichen. Gemeinsam erarbeiten wir Forderungen, die wir an die Politik herantragen und machen Bildungsarbeit. Alle, die unsere Ziele teilen, sind herzlich willkommen!

BASF & Platin aus Südafrika

Mit den Witwen und ihre Geschichten des Massakers von Marikana 2012, bei dem 34 Minenarbeiter von der Polizei erschossen wurden hat alles angefangen. Als Hauptkäufer des Platins aus Südafrika trägt die BASF Verantwortung an den katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen, die zu dem Massaker führten. Seit 2015 sind wir als „Plough back the fruits“ Kampagne bei den BASF HV aktiv und fordern Wiedergutmachung. Dieser Fall war ein Beispiel der Kampagne für ein deutsches Lieferkettengesetzt und ein Beispiel für Rohstoff-Un-Gerechtigkeit: Platin sorgt im Kat bei uns für besse Luft, während der Abbau in Südafrika für katastrophale Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Minen und für Umweltverschmutzung verantwortlich ist.

Initiative Lieferkettengesetz

Wir sind Teil der Initiative Lieferkettengesetz und sitzen im Steuerungskreis. Als breites zivilgesellschaftliches Bündnis von 90 Menschenrechts-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen, Gewerkschaften und kirchlichen Akteuren haben wir den Paradigmenwechsel geschafft: Es gibt ein deutsches und auch ein europäisches Lieferkettengesetz. Europäische Unternehmen dürfen nicht länger mit skrupellosen Geschäftspraktiken zu gefährlichen Arbeitsbedingungen, ausbeuterischer Kinderarbeit und zerstörten Regenwäldern beitragen. Nun setzen wir uns für eine ambitionierte und europarechtskonforme Umsetzung ein.

Materialien zur Rohstoffgerechtigkeit

Sharepics zur Petition "Rohstoffwende in Baden-Württemberg jetzt"

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Broschüre: Rohstoffwende in Baden-Württemberg

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Factsheet Ressourcenfluch: Warum Länder nicht vom Rohstoffreichtum profitieren

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Folder: Gesellschaft zusammenbringen

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Webseminar – Überrollt der Omnibus die EU-Lieferkettenrichtlinie?

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Briefing: Initiative Lieferkettengesetz warnt vor Abbau des EU Green Deal

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Tagung Beyond 1994. Solidarität im Wandel der Zeit am Beispiel Südafrikas.

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ROHSTOFFWENDE: RESSOURCEN SCHÜTZEN, ZUKUNFT FÜR ALLE SICHERN

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Deckblatt Diskussionspapier "Standards & Zertifizierungen - Anforderungen im Rahmen gesetzlicher Sorgfaltspflichten aus zivilgesellschaftlicher Sicht"
Standards & Zertifizierungen - Anforderungen im Rahmen gesetzlicher Sorgfaltspflichten aus zivilgesellschaftlicher Sicht

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Marikana - eine offene Wunde - Der Kampf für gerechte Löhne und Entschädigung im 10. Jahr des Massakers von Marikana.

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Titelblatt "Gemeinsam etwas Großes starten: Forderungen und Argumente für ein starkes EU-Lieferkettengesetz, das Menschen und Umwelt in Lieferketten schützt"
Forderungen und Argumente: #yesEUcan - Argumentationsleitfaden für ein starkes EU-Lieferkettengesetz

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