Viele Menschen können sich nicht konkret vorstellen, wie ein gutes Leben für ALLE – weder national und noch viel weniger global – möglich sein kann und funktionieren soll. Sofort fallen diesen Menschen viele Argumente ein, im Sinne von: „Aber das geht nicht, weil …“
In der Regel werden dann Pauschal-Argumente aus unserem tief verinnerlichten Gewinnmaximierungs-, Wachstums- und Wettbewerbsdenken angeführt. Dem möchten wir in dem Projekt „Gesellschaft zusammenbringen“ mit dem Format „Ein gutes Leben für ALLE und Regeln, die uns einladen und motivieren, nachhaltig und global gerecht zu handeln“, unter Berücksichtigung von Suffizienz (Genügsamkeit) begegnen.
Ein gutes Leben für ALLE am Beispiel „Wohnen“
Für das Thema Wohnen soll hier beispielhaft dargestellt werden, wie das Format aussehen und wirken kann. Ein gutes Leben für alle bedeutet für dieses Thema, dass allen Menschen angemessener Wohnraum, z. B. bezahlbar und diskriminierungsfrei, zur Verfügung steht. Wohnen ist ein Menschenrecht.
Zum Schutz von Umwelt und Klima ergeben sich darüber hinaus auch Grenzen für das Wohnen und Bauen, z. B. bezüglich Flächen- und Ressourcenverbrauch.
Ein gutes Leben für alle im Bereich Wohnen können wir uns vorstellen, wenn z. B.:
- eine Orientierung für eine nachhaltige Wohnungsgröße – im Durchschnitt in Deutschland ca. 40 qm pro Person - in der Gesellschaft massiv kommuniziert und schließlich anerkannt wird. Der Staat kommt seiner Pflicht nach, darüber zu informieren, dass wir uns zur Einhaltung der Menschenrechte und zu Nachhaltigkeit verpflichtet haben. Er handelt entsprechend und sorgt für entsprechende Rahmenbedingungen. Die Menschen sind bereit, miteinander die Wohnungskrise zu lösen.
- der positive gesamtgesellschaftliche Nutzen durch nachhaltiges Wohnen herausgestellt und kommuniziert wird, z. B. starke CO2-Einsparungen tragen zu einer Verlangsamung der Klimaerhitzung sowie zu weniger Flächen-, Ressourcenverbrauch und zu Kosteneinsparungen bei.
- der Wohnungsbestand und leerstehende Wohnungen fair verteilt und (leerstehende) Büroflächen umgenutzt werden.
- bereits beim Planen flexible Raum- und Wohnungsnutzung berücksichtigt werden.
- das Umbauen oder Tauschen von großen Wohnungen bei geringer Belegung zum gesellschaftlichen Standard wird.
- die Vorteile von gemeinschaftlichem Wohnen durch gute Beispiele stärker in die Gesellschaft kommuniziert und positiv erlebt werden.
- Stadt und städtische Wohnungsbaugesellschaft mit gutem Beispiel vorangehen. Ein breiter, öffentlicher Diskurs dazu und die gemeinsame Formulierung bzw. Zustimmung zu allgemeinen Fairen Regeln wären ein erster, wichtiger Schritt.
- alle Beteiligten aus Politik, Verwaltung, Wohnungsbaugesellschaften, Kirchen, Sozialverbände usw., die mit Bau- und Wohnungsthemen beschäftigt sind, sich eingeladen fühlen, in ihrem Wirkungsbereich Planungen und Maßnahmen entsprechend dieser Priorisierung umzusetzen. Der zunehmenden Komplexität wird mit Vielfalt, Kooperation und Transparenz begegnet. Leitlinie ist: wir setzen das mit unseren Möglichkeiten um.
Wie können wir damit Einfluss auf die Rahmenbedingungen nehmen?
Seit Jahrzehnten lauten die Spielregeln: gut ist, was günstig ist, wer mehr kauft, bekommt einen besseren Preis, Shoppen soll Spaß machen. Erfolgreich ist, wer viel Gewinn macht!
Diese bestehenden Spielregeln animieren uns, Produkte zu kaufen, die wir oft gar nicht benötigen, die Mensch und Umwelt ausbeuten und unsere Lebensgrundlagen weiter zerstören.
Deshalb wollen wir überlegen: wie müssten Faire Regeln, also gerechte Rahmenbedingungen und Gesetze, aussehen, damit sie uns einladen und motivieren dafür zu sorgen, dass alle Menschen angemessenen Wohnraum haben?
- Die Wohnkosten sind für angemessenes und nachhaltiges Wohnen günstig. Für größere Wohnungen gibt es eine progressive Besteuerung. Bei dauerhaftem Leerstand werden hohe Strafgelder verhängt.
- Die Bauordnung wird so geändert, dass Umbauen, Teilen und Tauschen vereinfacht und stark unterstützt wird.
- Gemeinschaftliches Wohnen wird mit Zuschüssen und steuerlich unterstützt.
- Menschenrechte einzuhalten und dem Gemeinwohl zu dienen hat politisch und gesetzlich Vorrang vor Profit- und Eigentums-Interessen. Spekulation und Gewinnmaximierung mit Immobilien ist gesellschaftlich verpönt. („Systemwandel“)
- Die extreme Ungleichheit von Vermögen in Deutschland und das Empfinden von Gerechtigkeit wird thematisiert und gemeinsam erprobt.
- Es braucht größere, themenübergreifende gute Beispiele (Pilotprojekte) mit Transformationscharakter: z. B. solidarische Landwirtschaft mit Wohnen im Alter, Senioren-Betreuung, Kita-Plätzen und Reparatur-Werkstatt verbinden.
Ein Beitrag für globale Gerechtigkeit wird geleistet, weil durch die faire Verteilung des Wohnraums im Bestand der Neubau stark reduziert werden kann. Damit werden sehr große Mengen an CO2-Ausstoß vermieden, das bremst die steigende Erderwärmung, von der besonders Menschen im Globalen Süden betroffen sind.
Als ein Best-Practice-Beispiel kann das Mietshäuser Syndikat - die Häuser denen, die darin wohnen - genannt werden: https://www.syndikat.org/
Neben dem Thema Wohnen wird es weitere Beiträgen zu anderen Themen geben. Es entsteht ein gesellschaftliches Gesamtbild für ein gutes Leben für alle, das in einem nächsten Schritt als Grundlage für einen öffentlichen Diskurs dient.
Den aktuellen Stand zu „Gesellschaft zusammenbringen“ gibt es unter diesem Link.
Und weitere Entwürfe zu „Ein gutes Leben für alle und Regeln die uns einladen …“ hier.

