„Mächtige Interessen greifen nach den materiellen Reichtümern Angolas. Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Verwüstungen sind die Folge dieser ausbeuterischen Logik! Zunehmend zeigt sich, wie sie ein Entwicklungsmodell hervorbringt, das diskriminiert und ausgrenzt – und sich dennoch als alternativlos darstellt…
Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten. Ersticken Sie nicht die Visionen der Jugend und die Träume der Älteren. Seien Sie fähig, Konflikte auszutragen und in Wege der Erneuerung zu verwandeln. Stellen Sie das Gemeinwohl über Partikularinteressen und verwechseln Sie niemals Ihren Teil mit dem Ganzen. Die Geschichte wird Ihnen Recht geben – auch wenn Sie heute auf Widerstand stoßen…“
Mit diesen eindringlichen Worten eröffnete Papst Leo XIV. die dritte Etappe seiner Afrika-Reise nach Algerien und Kamerun. Er kritisierte deutlich den Einfluss externer Akteur:innen, die Länder wie Angola zur Aufrechterhaltung eines zerstörerischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells instrumentalisieren. Zugleich nahm er die politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes in die Verantwortung, deren kurzfristige Eigeninteressen die nachhaltige Entwicklung Angolas untergraben.
Damit benennt der Papst ein zentrales Problem vieler rohstoffreicher Länder Afrikas: Eine enge Verflechtung zwischen externen Machtzentren und innenpolitischen Eliten, die von bestehenden Strukturen profitieren. Diese Allianz begünstigt ein extraktiv orientiertes Entwicklungsmodell, während demokratische Rechenschaftspflicht und soziale Teilhabe in den Hintergrund treten. Politische Legitimität wird dabei weniger durch Wahlen oder konkrete Entwicklungserfolge erzeugt als durch die strategische Bedeutung für externe Partner. Manipulierte Wahlprozesse und Einschränkungen von Bürger- und Menschenrechten sind Ausdruck dieser Schieflage.
So berechtigt die Kritik an externen Einflussnahmen ist, bleibt zugleich festzuhalten: Nachhaltige Veränderungen in Angola werden in erster Linie von innen ausgehen müssen. Weder internationale Akteur:innen noch etablierte Eliten haben bislang ausreichende Anreize gezeigt, grundlegende Veränderungen voranzutreiben.
Vor diesem Hintergrund kommt gesellschaftlichen Kräften im Land eine Schlüsselrolle zu. Dazu zählt auch die katholische Kirche Angolas, die über erheblichen Einfluss verfügt. Wenn sie sich stärker für Transparenz, soziale Gerechtigkeit und politische Teilhabe engagiert, könnte sie einen wichtigen Beitrag zu einem inklusiveren Entwicklungsmodell leisten. Die Worte des Papstes gewinnen an Gewicht, wenn sie von konkreten Impulsen zur Stärkung solcher innergesellschaftlichen Akteur:innen begleitet werden. Denn nur durch eine Verbindung von klarer Kritik, Selbstreflexion und praktischem Engagement kann die katholische Krise den notwendigen Wandel glaubwürdig voranbringen.

