In der Regierungspartei Zanu PF spitzt sich ein erbitterter Machtkampf zu. Bei einer hitzigen Politbürositzung am 17. September 2025 kam es zu einem offenen Schlagabtausch zwischen Präsident Emmerson Mnangagwa und seinem Vize Constantino Chiwenga. Im Zentrum des Konflikts: ein brisantes Korruptionsdossier, interne Machtambitionen – und der umstrittene Geschäftsmann Kudakwashe Tagwirei.
Korruptionsdossier erschüttert das Machtzentrum
Chiwenga legte im Vorfeld der Sitzung ein internes Papier vor, das weitreichende Vorwürfe gegen Mnangagwas Umfeld erhebt. Demnach sollen sogenannte „Zviganandas“ – wohlhabende Unternehmer mit besten Kontakten zu den Regierungskreisen – systematisch öffentliche Gelder veruntreut haben. Genannt werden prominente Namen wie Kudakwashe Tagwirei, Wicknell Chivayo und Scott Sakupwanya. Ihre großzügigen Spenden an Partei und Staat seien durch Korruption in gigantischem Ausmaß finanziert, so Chiwenga.
Laut dem Dossier besitzt Zanu PF 45 Prozent an Tagwireis Firma Sakunda Holdings, erhält jedoch kaum Gewinne. Tagwirei habe sich mit Regierungsdeals rund 3,2 Milliarden US-Dollar gesichert, während die Partei leer ausgehe. Chiwenga forderte die Verhaftung der involvierten Geschäftsleute und beschuldigte Mnangagwa, diese zu schützen.
Die 2030-Kampagne – ein verdeckter Machtplan?
Chiwenga geht noch weiter: Er wirft Tagwirei vor, die Wahlkampagne für 2030 zu finanzieren, mit dem Ziel, Mnangagwas Amtszeit über die verfassungsmäßige Grenze von 2028 hinaus zu verlängern. Mnangagwa selbst bestreitet dies und betont seine „verfassungsmäßige Loyalität“. Doch Chiwenga erklärte, ihm sei nun klar, dass der Präsident stillschweigend hinter dieser Kampagne stecke.
Der Konflikt zwischen beiden Männern reicht weit in die Vergangenheit. Chiwenga – Ex-Armeechef und Architekt des Putschs von 2017 – betrachtet sich als legitimer Nachfolger. Mnangagwa hingegen scheint, trotz gegenteiliger Aussagen, an einer politischen Verlängerung zu arbeiten – flankiert von finanzkräftigen Verbündeten.
Tagwireis neue Rolle – Königsmacher oder Kronprinz?
Kudakwashe Tagwirei steht nun im Zentrum dieses politischen Dramas. Einst als diskreter Strippenzieher bekannt, ist er heute einer der mächtigsten Männer im Land. Sein geschäftliches Netzwerk, das von Landwirtschaft über Energie bis hin zu Bergbau reicht, ist tief mit staatlichen Strukturen verflochten. Als Finanzier von Wahlkampagnen, Parteiprojekten und sozialen Programmen ist er für Zanu PF systemrelevant geworden.
Doch nun steht er unter Verdacht, nicht nur Königsmacher, sondern potenziell auch Kronprinz zu sein. Gerüchte um eigene politische Ambitionen wies er bislang zurück, doch sein Einfluss wächst – und spaltet die Partei.
Politisches Nachbeben – Rochaden und Repressionen
Die Reaktion des Präsidenten ließ nicht lange auf sich warten: Mnangagwa entmachtete prompt Chiwengas Verbündete innerhalb des Politbüros, darunter Generalsekretär Obert Mpofu. Gleichzeitig ließ sein Sprecher Chris Mutsvangwa öffentlich gegen Chiwenga austeilen und stellte Tagwirei als erfolgreichen Patrioten dar – nicht als Oligarchen.
Mit Spannung wird nun die für Oktober geplante Jahreskonferenz der Regierungspartei erwartet. Dort wird sich zeigen, ob Chiwenga noch über innerparteiliche Macht verfügt oder ob Mnangagwa und seine Verbündeten, mit Tagwirei im Rücken, die Weichen für eine umstrittene politische Zukunft stellen.
Fazit
Der Machtkampf in Simbabwe ist mehr als ein interner Streit. Er ist ein Spiegel des tiefgreifenden Wandels innerhalb von Zanu PF. Der Aufstieg privater Geldgeber wie Tagwirei zeigt einmal mehr die Transformation der Partei von einer Befreiungsbewegung zu einem klientelistischen Netzwerk, in dem wirtschaftlicher Einfluss zunehmend politische Macht ersetzt.



