3,2 Tonnen pro Person – so hoch ist der jährliche Metallverbrauch in Baden-Württemberg. Damit liegt er mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig werden im Land selbst keine metallischen Rohstoffe abgebaut – Baden-Württemberg ist zu 100 Prozent auf Importe angewiesen. Doch woher stammen diese Rohstoffe? Und welche ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Folgen sind mit ihrem Abbau verbunden?
Mit unserer neuen Studie „Rohstoffbedarf BW – Analyse, Risikobewertung und Zukunftskonzepte“ legen wir erstmals eine umfassende Analyse des Rohstoffbedarfs Baden-Württembergs und der damit verbundenen globalen Auswirkungen vor. Dabei rücken wir gezielt die Perspektiven aus den Abbauländern in den Mittelpunkt. Die Studie wurde vom ifeu-Institut in Zusammenarbeit mit der Werkstatt Ökonomie und dem Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg (DEAB) erstellt und vom Umweltministerium Baden-Württemberg finanziert. Ziel der Untersuchung ist es, die globale Dimension des Rohstoffbedarfs sichtbar zu machen und die sozialen, ökologischen sowie menschenrechtlichen Risiken entlang der Lieferketten systematisch zu analysieren. Für Baden-Württemberg sind insbesondere Lithium, Kobalt, Kupfer, Bauxit (Aluminium) und Wolfram von zentraler Bedeutung. Vor allem durch Energiewende, Digitalisierung und den Umstieg auf Elektromobilität steigt die Nachfrage nach diesen Metallen weiter an – mit weitreichenden Folgen für die Förderregionen.
Die Interviews mit Expert:innen aus der Demokratische Republik Kongo, Simbabwe, Indonesien, Chile, Peru und der Mongolei zeichnen ein eindrückliches Bild der Realität in den Abbaugebieten. Berichtet wird von Zwangsumsiedlungen, dem Verlust landwirtschaftlicher Lebensgrundlagen, massiver Wasserverschmutzung, Gesundheitsbelastungen durch Schwermetalle sowie Repression und Gewalt gegenüber Aktivist:innen. Gleichzeitig profitieren lokale Gemeinschaften häufig kaum vom Rohstoffreichtum ihrer Regionen, während ökologische Schäden und soziale Konflikte langfristig bestehen bleiben.
Die Studie macht deutlich: Eine Transformation hin zu klimafreundlicher Mobilität und erneuerbaren Energien darf nicht zu neuen Formen globaler Ungleichheit führen. Wenn Baden-Württemberg als starker Industriestandort – insbesondere durch Automobil- und Maschinenbau – in besonderem Maße von metallischen Rohstoffen abhängt, dann trägt das Land auch besondere Verantwortung für die Bedingungen entlang seiner Lieferketten. Eine sozial-ökologische Rohstoffwende bedeutet daher weit mehr als Versorgungssicherheit. Sie umfasst die Reduktion des absoluten Rohstoffverbrauchs, den konsequenten Ausbau von Kreislaufwirtschaft und Recycling, verbindliche Umwelt- und Sozialstandards, Transparenz entlang globaler Wertschöpfungsketten sowie die systematische Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Stimmen aus den Abbauländern in politische Entscheidungsprozesse. Freiwillige Zertifizierungen allein reichen hierfür nicht aus – notwendig sind wirksame gesetzliche Rahmenbedingungen und deren konsequente Durchsetzung.
Begleitend zur Studie haben wir mehrere Materialien veröffentlicht, die die Ergebnisse vertiefen und praxisnah aufbereiten:
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Broschüre: „Rohstoffwende in Baden-Württemberg – Perspektiven aus den Abbauländern“
Eine kompakte und anschauliche Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse. -
Factsheets zu den Schlüsselrohstoffen
Hintergrundinformationen zu Lithium, Kobalt, Kupfer, Aluminium (Bauxit) und Wolfram – mit Fokus auf Bedeutung, Risiken und globale Zusammenhänge. -
Hintergrundpapier „Ressourcenfluch“
Warum profitieren rohstoffreiche Länder häufig nicht von ihrem Reichtum? Das Papier erläutert verständlich die zentralen wirtschaftspolitischen Mechanismen und wissenschaftlichen Erkenntnisse.



